Für eine durchschnittliche Schweizer Familie verschlingen die Krankenkassenprämien rund 14 Prozent des verfügbaren Einkommens. Das sind CHF 1'200 bis CHF 1'800 pro Monat — wohlgemerkt nur für die Grundversicherung. Wer nicht aktiv optimiert, verschenkt jedes Jahr bares Geld. Hier sind acht Strategien, die wirklich funktionieren.
1. Prämien jährlich vergleichen
Der einfachste und wirkungsvollste Tipp: Vergleichen Sie jedes Jahr im Oktober Ihre Prämie mit den günstigsten Angeboten. Die Prämien werden jeweils Ende September vom BAG genehmigt. Auf priminfo.admin.ch finden Sie den offiziellen Prämienrechner. Auch comparis.ch und moneyland.ch bieten gute Vergleichstools.
Die Erfahrung zeigt: Wer seit drei oder mehr Jahren nicht gewechselt hat, zahlt fast immer zu viel. Ein Wechsel spart typischerweise CHF 50 bis CHF 200 pro Monat — pro Person.
2. Franchise optimieren
Die Wahl der richtigen Franchise kann über CHF 1'000 pro Jahr ausmachen. Die Faustregel: Wer weniger als CHF 2'000 pro Jahr an Gesundheitskosten hat, fährt mit der höchsten Franchise (CHF 2'500) günstiger. Detaillierte Berechnungen finden Sie in unserem Franchise-Ratgeber.
3. Alternatives Versicherungsmodell wählen
Hausarztmodell, Telemedizin oder Apotheken-Modell — alternative Modelle sparen 10 bis 20 Prozent Prämie, ohne dass Sie auf Leistungen verzichten. Die Einschränkung besteht lediglich darin, dass Sie zuerst eine bestimmte Anlaufstelle kontaktieren, bevor Sie zum Spezialisten gehen. Für die meisten Menschen ist das ohnehin der natürliche Weg.
4. Prämienverbilligung (IPV) beantragen
Viele Versicherte wissen nicht, dass sie Anspruch auf eine individuelle Prämienverbilligung haben. Die Einkommensgrenzen variieren je nach Kanton stark. In Zürich beispielsweise haben Einzelpersonen mit einem steuerbaren Einkommen unter ca. CHF 54'000 und einem Vermögen unter CHF 75'000 Anspruch auf IPV. Prüfen Sie Ihren Anspruch bei Ihrer Wohngemeinde.
5. Unfallversicherung ausschliessen
Wenn Sie mindestens 8 Stunden pro Woche bei einem Arbeitgeber angestellt sind, sind Sie über Ihren Arbeitgeber unfallversichert — sowohl für Berufs- als auch für Nichtberufsunfälle. In diesem Fall können Sie die Unfalldeckung aus der Grundversicherung ausschliessen und sparen rund 5 bis 7 Prozent der Prämie. Achtung: Bei Stellenverlust oder Reduktion des Arbeitspensums müssen Sie die Unfalldeckung sofort wieder einschliessen.
6. Kinder optimal versichern
Für Kinder gelten tiefere Prämien und tiefere Franchisen. Die maximale Franchise für Kinder beträgt CHF 600. Die tiefste Franchise (CHF 0) ist bei Kindern oft die bessere Wahl, weil Kinder häufiger krank sind und regelmässig zum Kinderarzt gehen. Die Prämienersparnis durch eine höhere Kinderfranchise ist verhältnismässig gering.
Tipp: Versichern Sie Kinder bei einer anderen Kasse als sich selbst, wenn diese günstiger ist. Es gibt keine Pflicht, die ganze Familie bei der gleichen Kasse zu versichern.
7. Steuern nicht vergessen
Krankenkassenprämien können Sie in der Steuererklärung als Versicherungsabzug geltend machen. Die effektiven Gesundheitskosten (Franchise, Selbstbehalt, nicht gedeckte Behandlungen) können Sie ebenfalls abziehen, sofern sie einen bestimmten Prozentsatz des Reineinkommens übersteigen (kantonal unterschiedlich).
8. Rechnungen prüfen
Prüfen Sie jede Rechnung, die Sie von Ärzten und Spitälern erhalten. Laut santésuisse sind rund 5 Prozent aller Arztrechnungen in der Schweiz fehlerhaft — meistens zu Ihren Ungunsten. Achten Sie auf doppelte Positionen, nicht erbrachte Leistungen und falsche Taxpunkte. Wenn etwas nicht stimmt, reklamieren Sie bei der Arztpraxis oder lassen Sie die Rechnung von Ihrer Krankenkasse prüfen.
Was Sie nicht tun sollten
Verzichten Sie nicht auf notwendige Arztbesuche, nur um Franchisekosten zu sparen. Eine früh erkannte und behandelte Krankheit ist fast immer günstiger als eine verschleppte. Die Franchise soll Sie nicht davon abhalten, zum Arzt zu gehen — sie soll nur unnötige Arztbesuche vermeiden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie viel kann ich insgesamt sparen?
Eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern kann durch die Kombination aller Massnahmen (Kassenwechsel, Franchise, alternatives Modell, IPV) bis zu CHF 5'000 bis CHF 8'000 pro Jahr sparen. Selbst eine Einzelperson kann CHF 1'500 bis CHF 3'000 einsparen.
Muss ich jedes Jahr wechseln?
Nein, aber Sie sollten jedes Jahr vergleichen. Manchmal ist Ihre aktuelle Kasse immer noch die günstigste — dann bleiben Sie. Aber ohne Vergleich wissen Sie es nicht.
Gibt es eine Wartefrist nach dem Wechsel?
In der Grundversicherung gibt es keine Wartefrist — der Versicherungsschutz beginnt sofort am 1. Januar. Bei Zusatzversicherungen kann es Wartefristen von bis zu 24 Monaten geben, insbesondere bei Geburtsleistungen oder Zahnbehandlungen.