Den Führerschein frisch in der Tasche, das erste Auto vor der Tür — und dann der Schock bei der Versicherungsprämie. Junglenker unter 25 zahlen in der Schweiz massiv mehr für die Autoversicherung als erfahrene Fahrer. Je nach Fahrzeug und Wohnort kann die Haftpflicht allein CHF 2'000 bis CHF 3'500 im Jahr kosten. Vollkasko? Nochmal drauf. Das ist viel Geld, aber es gibt Wege, die Kosten in den Griff zu bekommen.
Warum Junglenker so viel zahlen
Die Versicherer argumentieren mit der Statistik, und die ist leider eindeutig: Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren verursachen pro gefahrenem Kilometer doppelt bis dreimal so viele Unfälle wie Fahrer zwischen 30 und 60 Jahren. Das ist keine Diskriminierung, sondern Risikoberechnung. Die mangelnde Fahrpraxis, die Tendenz zu höherem Tempo und das häufigere Fahren bei Nacht und am Wochenende spielen eine Rolle.
Zusätzlich starten Junglenker auf der schlechtesten Bonusstufe, weil sie keine Schadenfreiheitshistorie haben. Das allein kann die Prämie um 50 Prozent oder mehr erhöhen im Vergleich zu einem Fahrer mit maximalem Bonus.
Strategie 1: Das richtige Auto wählen
Die Motorleistung ist einer der grössten Prämientreiber bei Junglenkern. Ein Auto mit 200 PS kostet in der Versicherung ein Vielfaches eines 100-PS-Wagens. Für den Anfang empfiehlt sich ein Fahrzeug mit moderater Leistung — nicht nur wegen der Prämie, sondern auch wegen der Sicherheit.
Noch ein Faktor: Der Fahrzeugwert. Ein Auto für CHF 8'000 braucht keine teure Vollkasko. Teilkasko für Diebstahl und Glasbruch reicht — und spart schnell CHF 500 bis CHF 1'000 im Jahr.
Strategie 2: Zweitwagenregelung der Eltern
Wenn die Eltern bereits ein Auto versichert haben und den Junglenker als Zweitfahrer eintragen lassen, kann die Prämie deutlich tiefer ausfallen. Manche Versicherer bieten auch eine spezielle Zweitwagenversicherung an, bei der das zweite Fahrzeug in der Familie einen besseren Einstiegstarif bekommt.
Achtung: Das Auto muss auf den Namen eines Elternteils eingelöst werden. Und der Versicherer muss wissen, dass ein Junglenker das Fahrzeug regelmässig nutzt — sonst riskieren Sie eine Leistungskürzung im Schadenfall.
Strategie 3: Telematik-Tarife nutzen
Einige Schweizer Versicherer bieten Telematik-Tarife (auch «Pay-how-you-drive» genannt) an. Eine App auf dem Smartphone oder ein Sensor im Auto zeichnet Ihr Fahrverhalten auf: Beschleunigung, Bremsverhalten, Geschwindigkeit, Tageszeit. Wer ruhig und vorausschauend fährt, bekommt Rabatte von bis zu 20 Prozent.
Für Junglenker kann das besonders attraktiv sein, weil sie damit beweisen können, dass sie trotz ihres Alters sicher fahren. Der Datenschutzaspekt ist natürlich eine persönliche Abwägung.
Strategie 4: Höheren Selbstbehalt wählen
Ein Selbstbehalt von CHF 1'000 statt CHF 500 kann bei Junglenkern CHF 200 bis CHF 400 im Jahr sparen. Das ist viel Geld. Legen Sie den gesparten Betrag auf ein separates Konto — dann haben Sie ein Polster für den Schadenfall.
Strategie 5: Fahrkurs absolvieren
Einige Versicherer gewähren Rabatte, wenn Sie einen Fahrsicherheitskurs absolviert haben (z.B. beim TCS oder bei der ACS). Der Kurs kostet zwischen CHF 200 und CHF 400, der Versicherungsrabatt kann CHF 100 bis CHF 200 im Jahr betragen. Zudem lernen Sie tatsächlich, besser zu fahren — was langfristig die beste Prämienoptimierung ist.
Strategie 6: Vergleichen und verhandeln
Gerade bei Junglenkern sind die Prämienunterschiede zwischen den Anbietern enorm. Vergleichen Sie mindestens drei bis fünf Offerten. Direktversicherer wie smile.direct sind bei Junglenkern manchmal günstiger als die grossen Namen.
Und: Verhandeln Sie. Wenn Sie bei einem Versicherer bereits andere Policen haben (z.B. die Hausratversicherung der Eltern), fragen Sie nach einem Familienrabatt. Das klappt nicht immer — aber fragen kostet nichts.
Ab wann sinkt die Prämie?
Die Junglenkerzuschläge sinken typischerweise ab dem 25. Altersjahr deutlich. Dazu kommt der Bonusaufbau: Jedes schadenfreie Jahr verbessert Ihre Stufe. Nach drei bis fünf schadenfreien Jahren haben Sie eine deutlich bessere Prämie — vorausgesetzt, Sie melden keinen Schaden.
Weitere Informationen zu den Grundlagen der Autoversicherung in der Schweiz finden Sie in unserem Hauptartikel.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann ich das Auto auf meinen Namen laufen lassen und trotzdem von den Eltern profitieren?
Wenn das Auto auf Ihren Namen eingelöst ist, zahlen Sie als Halter die volle Junglenkerprämie. Der Trick mit der Zweitwagenregelung funktioniert nur, wenn das Auto auf einen Elternteil eingelöst ist. Manche Versicherer bieten aber einen Einstiegsbonus, wenn die Familie bereits Kundin ist.
Wie teuer ist die Versicherung für ein Elektroauto als Junglenker?
Elektroautos sind tendenziell teurer zu versichern, weil die Reparaturkosten (vor allem bei Batterieschäden) höher sind. Als Junglenker mit einem E-Auto müssen Sie mit einer nochmals höheren Prämie rechnen. Ein günstigeres Elektroauto mit moderater Leistung (z.B. Dacia Spring) kann aber trotzdem eine vernünftige Option sein.
Lohnt sich ein Occasionswagen für die Versicherung?
Ja, ein älterer Occasionswagen mit moderater Leistung ist versicherungstechnisch die günstigste Option für Junglenker. Sie sparen bei der Kaskoversicherung (Teilkasko statt Vollkasko) und der Fahrzeugwert ist tiefer, was die Prämie ebenfalls senkt.