ETFs sind das einfachste und günstigste Mittel, um als Schweizer Anleger breit diversifiziert zu investieren. Trotzdem schrecken viele vor dem ersten Kauf zurück. Dabei ist der Einstieg einfacher als ein eBanking-Login.
Was ist ein ETF – und warum sollten Sie einen kaufen?
Ein ETF (Exchange Traded Fund) bildet einen Index ab. Kaufen Sie einen ETF auf den MSCI World, besitzen Sie indirekt Anteile an über 1'500 Unternehmen weltweit – von Apple bis Nestlé. Statt einzelne Aktien zu analysieren und zu timen, setzen Sie auf die langfristige Entwicklung der Weltwirtschaft.
Die historischen Daten sprechen für sich: Der MSCI World hat in den letzten 30 Jahren durchschnittlich 8.5% pro Jahr zugelegt. Inklusive aller Krisen – Dotcom, Finanzkrise, Corona, Ukraine. Wer 1996 einmalig 10'000 CHF investiert hätte, besässe heute über 100'000 CHF.
Schritt für Schritt: Ihr erster ETF-Kauf
Schritt 1: Broker wählen
Für Schweizer Anleger kommen vor allem diese Broker in Frage:
| Broker | Depotgebühr | Courtage pro Trade | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Swissquote | Keine (ab 1 Trade/Quartal) | Ab 9 CHF (CH), 15 EUR (EU) | Grösster CH-Broker, breites Angebot |
| Interactive Brokers (IBKR) | Keine | Ab 1.50 CHF | Günstigste Courtagen, US-Broker |
| Yuh | Keine | 0.5% (min. 1 CHF) | Schweizer Neobroker, sehr einfach |
| Neon Invest | Keine | 0.5% | Integration in Neon-App |
| PostFinance | Ab 18 CHF/Jahr | Ab 15 CHF | Für bestehende PF-Kunden |
Schritt 2: Den richtigen ETF auswählen
Für den Einstieg reicht ein einziger ETF. Ernsthaft. Ein Welt-ETF deckt über 90% der investierbaren Marktkapitalisierung ab. Die beliebtesten bei Schweizer Anlegern:
- Vanguard FTSE All-World (VWRL/VWCE) – TER 0.22%, ca. 4'000 Aktien weltweit
- iShares MSCI ACWI (SSAC) – TER 0.20%, ca. 2'900 Aktien
- UBS MSCI World (SWDA) – TER 0.30%, nur Industrieländer
Was ist besser – thesaurierend oder ausschüttend? Für Schweizer klar: thesaurierend (VWCE statt VWRL). Reinvestierte Dividenden vermeiden die Verrechnungssteuer auf ausländischen Ausschüttungen und der Zinseszinseffekt wirkt stärker.
Schritt 3: Kaufen und halten
Den ETF auswählen, die gewünschte Summe eingeben, bestätigen – fertig. Danach? Nichts tun. Ernsthaft. Die grösste Gefahr für ETF-Anleger ist nicht der Markt, sondern das eigene Verhalten. Panikverkäufe bei Kurseinbrüchen vernichten mehr Rendite als jede Finanzkrise.
ETF-Sparplan in der Schweiz
Anders als in Deutschland gibt es in der Schweiz kaum kostenlose ETF-Sparpläne. Die Alternative: Manuell jeden Monat oder jedes Quartal kaufen. Bei IBKR kostet ein Kauf nur 1.50 CHF – da lohnt sich auch ein monatlicher Kauf ab 500 CHF.
Wer automatisiert sparen will, kann die Säule 3a mit Aktien-Lösung nutzen – dort gibt es echte Sparpläne mit automatischer monatlicher Einzahlung.
Steuerfallen für Schweizer ETF-Anleger
Die Verrechnungssteuer
Dividenden aus Schweizer ETFs unterliegen der 35% Verrechnungssteuer, die über die Steuererklärung zurückgefordert wird. Bei ausländischen ETFs (Domizil Irland oder Luxemburg) ist die Rückforderung der Quellensteuer komplizierter. Irland hat mit den meisten Ländern günstige Doppelbesteuerungsabkommen – deshalb sind irisch domizilierte ETFs für Schweizer meist optimal.
Stempelsteuer
Beim Kauf von ETFs an der SIX fällt 0.075% Stempelsteuer an, bei ausländischen Börsen 0.15%. Kein Dealbreaker, aber bei grösseren Beträgen spürbar.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel Geld brauche ich für den Einstieg?
Theoretisch reicht der Preis eines ETF-Anteils (ca. 80-100 CHF). Praktisch sollten Sie mindestens 1'000 CHF investieren, damit die Transaktionskosten im Verhältnis stimmen.
Sind ETFs sicher?
ETFs sind Sondervermögen – bei einer Pleite des Anbieters bleibt Ihr Geld geschützt. Das Marktrisiko bleibt natürlich: Kurse können temporär um 30-50% fallen. Langfristig (über 15 Jahre) hat ein Welt-ETF historisch aber nie Verlust gemacht.
Soll ich alles auf einmal investieren oder gestaffelt?
Statistisch ist die Einmalanlage in zwei Dritteln der Fälle besser als gestaffeltes Investieren. Wer sich emotional unwohl fühlt, kann den Betrag auf 3-6 Monate aufteilen. Hauptsache, das Geld kommt in den Markt.
Lesen Sie auch unseren Guide zur Finanzplanung in der Schweiz für das grosse Ganze und den Neobank-Vergleich für das passende Konto zum Broker.